Pferdezucht

   
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1998 hat alles begonnen: unsere Enkel sollten mit Pferden aufwachsen. Aber welche Rasse sollte es denn sein? Keine Großpferde, sie sind für vier- oder fünfjährige Jungen so furchterregend groß und man kann so tief fallen. Haflinger? Nichts gegen Haflinger, aber mit dieser Rasse wird gar so viel experimentiert. Es sollte etwas Authentisches sein, eine Rasse, die in etwa das ursprüngliche Aussehen zeigt. So kamen wir auf das Highland-Pony.
Aus der Herde der Countess of Swinton wählten wir zwei Stuten aus, die die beiden Zuchtlinien vertreten: Ailsa of Dykes (
Stammbaum), die geduldige Lastenträgerin und Amber of Dykes (Stammbaum), die elegante, lebhafte, schnelle.

   

 

 

 

 

Die Stuten Amber und Ailsa friedlich grasend auf unserer Koppel.

 

Unser erstes Fohlen, Ailsas Sohn, nannten wir Iwein von Karidol. Sein Vater ist Kincardine Brodie, der auf den Weiden seines Besitzers, Guido van Dyck, bei Antwerpen lebt. Diese Anpaarung verbindet zwei Linien, die sich über 9 Generationen nicht schneiden. Wie Sie sehen, hat sich die Mühe gelohnt. Iwein ist ein großer, stattlicher Hengst mit einem ausgesprochen freundlichen, ruhigen Charakter. Diesen Charakter wird er Ambers zweitem  Fohlen vererben.

   

Iwain von Karidol

Lunete von Karidol im Alter von einem Jahr

 

Der Vater von Ambers erstem Fohlen ist Heather Jock (Besitzerin Patricia Decker, Oak tree Farm). Lunete von Karidol wurde auf der Fohlenschau mit Silber prämiert und lebt heute bei Berlin. Sie wäre es wert, mit ihr zu züchten.

Ailsa wurde 2003 von Dr. Neumann-Kleinpauls prächtigem Hengst Dunedin Vatersay gedeckt und Amber, wie schon erwähnt, von Iwein von Karidol.

Mein kleiner Hengst Kalogrenant von Karidol wurde am 29. Februar 2004 geboren. Seine Mutter ist Amber of Dykes,deren letztes Fohlen prämiert wurde. Von der Mutter erbt er Schnelligkeit und Eleganz und vom Vater, Iwein von Karidol, Ruhe und Gelassenheit. Also ein vielversprechendes Fohlen, das die Größe seines Vaters erreichen dürfte: 149 cm. Nach dem Absetzen steht er zum Verkauf.

   

Kalogrenant von Karidol mit seiner
Mutter Amber of Dykes

Kalogrenant von Karidol oder einfach "Kalo"
- ein stämmiges Hengstfohlen, das ein
beeindruckender Hengst (oder Wallach)
zu werden verspricht.

Besonders gespannt war ich darauf, was aus der  Verbindung Ailsa of Dykes – Dunedin Vatersay entstehen würde. Am 1. Juni 2004 erblickte beider Sohn Ither von Karidol das Licht der Welt, buchstäblich, denn Ailsa fohlte nachmittags um 16 Uhr. Die Anpaarung hat sich gelohnt, denn Ither hat einen ausgesprochen zierlichen Kopf, einen eher quadratischen Körper und lange Beine. Mittlerweile hat er sich mit einer mongolischen Stute angefreundet und jagt mit ihr über Stock und Stein.  

   

Ither von Karidol mit seiner Mutter
Ailsa of Dykes

 

 

 

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allgemeine Informationen zu Mongolischen Pferden

Die Mongolen kommen" - ein Bericht zum Mongolei-Pferde-Abenteuer

Adzraga shinjikh - Die Auswahl eines Hengsts

Die Stute

Der Sattel (emeel)

Der Airag

 

Am 15. November 2003 war es endlich soweit: die ersten mongolischen Ponies trafen nach langer Reise bei uns ein.  Aus der Mitte Asiens bis in die Gegend von Moskau waren sie zuerst acht Tage unterwegs. Von dort erreichten sie in drei Tagen Gammertingen.
 

Die ersten Mongolen in Gammertingen

 

 

 

Das Mongolische Pferd               - zurück zum Seitenanfang -

- allgemeine Informationen

 

Die Abstammung

Man nimmt heute an, dass das Pferd vor dem 4. Jahrtausend v. Chr. domestiziert worden ist. Anscheinend geschah das in verschiedenen Regionen des eurasischen Kontinents unabhängig von einander, aber anders als bei den europäischen und vorderasiatischen Rassen steht für die Rasse des mongolischen Pferdes fest, aus welcher Wildform sie entstand: aus dem Przewalski-Pferd. Das mongolische Pferd ist damit die einzige Rasse, deren Ursprungsrasse es bis heute gibt.

Die Zucht des mongolischen Pferdes

Seit die Mongolen begonnen haben, Pferde zu züchten, haben kaum mehr andere Rassen die des mongolischen Pferdes beeinflusst. Das mongolische Pferd wurde und wird auch heute noch einerseits auf Grund der Leistung im Reiten, andererseits aber auch zur Milch- und Fleischgewinnung gezüchtet. Seit der Wende hat der Bestand an Pferden stark zugenommen und liegt heute bei etwa 2, 4 Millionen Tieren. Bezogen auf die Größe der Bevölkerung liegt die Mongolei mit ihrem Bestand an Pferden an erster Stelle in der Welt.
In der Grassteppe werden etwa 32 % der Pferde gehalten, im Hochgebirge 20 %, in der bewaldeten Steppe 17 %, in der Gobi ebenfalls etwa 17 % und im Altai und im Becken der großen Seen an die 15 %.
Wenn ausreichend Futter vorhanden ist, werden Stuten 6 – 10 Tage nach dem Abfohlen wieder rossig. Die Trächtigkeit dauert 335 bis 345 Tage. Werden die Pferde auf der Weide gehalten, dann ist der Hengst in den Monaten Mai und Juni sexuell aktiv, aber das hängt auch von seiner körperlichen Verfassung und vom Klima ab. Jeder Hengst hält eine bestimmte Zahl von Stuten verschiedenen Alters.

Das Fohlen hat bei der Geburt 10 – 11 % des Gewichts der Mutterstute; bei der Geburt ist es durchschnittlich 80 cm hoch und hat einen Brustumfang von etwa 70 cm. Ein Hengstfohlen ist mit 18 – 20 Monaten geschlechtsreif. Nach 36 – 40 Monaten ist das Körperwachstum abgeschlossen.
Ein mongolisches Pferd kann eine Lebensdauer von 25 – 30 Jahren erreichen, von 18 – 20 Jahren, wenn es zur Arbeit eingesetzt wird.

Körperbau

Das mongolische Pferd erscheint Europäern klein und zierlich, aber es hat sich damit nur an das kontinentale Klima angepasst.
Ein Hengst hat ein durchschnittliches Stockmaß von 131 cm und eine Körperlänge von 132 cm. Der durchschnittliche Brustumfang beträgt 165 cm, der des Unterschenkels 19 cm. Im Norden, Westen und Osten der Mongolei sind die Pferde allerdings etwas größer. Über den Sommer hin erreichen mongolische Pferde ein Gewicht von 350 – 400 kg, wovon sie im Winter bis zu einem Viertel verlieren.
Das mongolische Pferd ist sehr muskulös, die Atmungsorgane sind gut entwickelt; es atmet in der Ruhe etwa 16 – 18 mal in der Minute und hat einen Puls von 24 – 44 Schlägen in der Minute. Die Körpertemperatur beträgt 37,5 – 38,5° C.
Das Alter eines Pferdes stellen die Mongolen anhand der Zähne fest. Werden die Pferde auf der Weide gehalten, verschleißen die Zähne schneller als wenn die Pferde im Stall gehalten werden. Deswegen berücksichtigen die Mongolen auch die Veränderungen an den Zähnen und am Zahnfleisch. Der Hengst hat 38 Zähne, die Stute nur 36, da sie keine Eckzähne hat. Manche Stuten bekommen allerdings auch Eckzähne und werden als „Ermeg-Stuten“ besonders beachtet.
Das mongolische Pferd hat einen kurzen Hals, eine breite Brust und einen geraden Rücken. Mähne und Schwanz sind beim mongolischen Pferd besonders buschig.

Unterformen des mongolischen Pferdes

Innerhalb der Rasse „mongolisches Pferd“ gibt es Schläge, die sich in Bezug auf das Äußere, die Ausdauer und die Schnelligkeit und die Eignung unterscheiden, z.B. die Schläge Tesiin gol, Galshir, Darkhad, Sangii dalai oder Shankhai. Auch der Lebensraum eines Pferdes bestimmt seine Körperform. Deswegen unterscheidet man Wald-, Steppen-, Gebirgs- und Gobipferde. Die Pferde der Aimak Bulgan, Khovsgol, Selenge und Uvs werden zu den Waldpferden gezählt, die der Aimak Khentii, Dornod und Dundgobi zu den Steppenpferden. Die Aimak Bayan-Ulgii, Khovd, Zavkhan, Arkhangai und Uvurkhangai sind die Heimat der Gebirgspferde und die Aimak Omnogobi, Dornogobi, Sukhbaatar, Bayankhongot und Gobi-Altai die Heimat der Gobipferde.
Obwohl die Steppenpferde kleiner sind als die Waldpferde, sind sie doch zäher. Ihre Brust ist
stärker entwickelt. Deshalb sind z. B. Galshir-Pferde sehr schnelle Reitpferde.

Haltung und Leistung

Das mongolische Pferd erreicht auch die am weitesten entfernten Weiden, die die Schafe und Ziegen nicht mehr erreichen, wo kaum Wasser vorhanden ist oder viel Schnee liegt. Das ist wichtig, wenn man im Herbst und Winter umziehen muss.
Es braucht auch im Winter keinen Stall, es sammelt sich zu Herden, die auch im Winter eine Weide ausfindig machen, und findet von dort wieder zu den Familien zurück, denn sein Geruch und Hörsinn sind so gut entwickelt, dass es die Witterung der Familien, denen es gehört, und die Geräusche schon von weitem aufnehmen. Es empfindet das Wetter im voraus.
Das mongolische Pferd kann eine Last von 120 – 130 kg tragen, also von etwa einem Drittel seines Gewichts.
Es ist widerstandsfähig und zäh und bewältigt weite Strecken und schlechte Wege. Da das mongolische Pferd klein ist, steigt es leicht und bewegt sich gerade auf langen Strecken weich. Deshalb ermüdet der Reiter kaum. Auch für alte Leute, Frauen und Kinder ist es deswegen sehr gut geeignet.
Wie schon erwähnt, wird das mongolische Pferd auch für die Milch- und Fleischgewinnung genutzt. Ausgewachsene Stuten und Wallache wiegen 360 – 380 kg, vielleicht auch einmal 400 kg. Das Fleisch macht vom Gesamtgewicht etwa 52 – 56 % aus, auf die Knochen entfällt ein Anteil von 15,2 bis 18,1 %. Pferdefleisch hat einen Nährwert von 2880 – 3000 kcal. Es ist reich an Glutaminen und Vitaminen, ist also sehr wertvoll und leicht verdaulich. Das Fett ist reich an ungesättigten Fettsäuren und ist deswegen günstig bei hohem Blutdruck und Arteriosklerose. Im Geschmack, in der Qualität und im Nährwert unterscheidet sich das Fleisch mongolischer Pferde vorteilhaft von dem anderer Pferderassen. Das hat natürlich mit der Art der Ernährung zu tun. In der Mongolei kommen 110 Futterpflanzen vor, 97 von ihnen werden vom Pferd aufgenommen.
Eine mongolische Stute liefert im Sommer bei sechs- bis achtmaligem Melken 3,2 – 3,7 l Milch, wird sie nur einmal am Tag gemolken, so erhält man etwa 0,5 l. Die Zusammensetzung der Milch hängt vom Klima und von der Weide ab. Im Vergleich zu Stuten, die im Stall gehalten werden, hat die Milch mongolischer Stuten einen um 0,5 % höheren Fettgehalt, auch der Gehalt an Zucker ist etwa um 1,5 % und der an Allgemeineiweiß um 0,9 % höher. Sie enthält auch das für den Menschen wichtige Lezithin, Isolezithin, Arganin, Valin, Lysin, Meteonin und Threonin.
Das Fohlen wiegt bei der Geburt 34 – 35 kg; seine tägliche Gewichtszunahme beträgt 750 – 790 g. Mit 30 Monaten wird ein junges Pferd als Shudlen bezeichnet. In diesem Alter erreicht es 70 – 80 % der Größe eines erwachsenen Pferdes.

 

 

 

 

Die Mongolen kommen              - zurück zum Seitenanfang -

- ein Bericht zum Mongolei-Pferde-Abenteuer

I. Rückblick

Warum mussten es mongolische Pferde sein, werden Sie fragen. Ich weiß es nicht, vielleicht war es nur der Wille, etwas Unmögliches möglich zu machen, der mich dazu gebracht hat, immer wieder zu versuchen, mongolische Pferde nach Europa zu bringen. Der Gedanke trieb mich um, seit ich vor zehn Jahren zum ersten Mal in der Mongolei war. Faxe und Briefe an Ministerien, Eisenbahnverwaltungen und Veterinärbehörden füllen Ordner, alles vergeblich, denn zwischen Deutschland und der Mongolei liegt breit und schwer das riesige Russland. Und Russland ist es völlig gleichgültig, dass irgendjemand ein paar mongolische Pferde haben möchte, so gleichgültig, dass Russland noch nicht einmal antwortet.

Auf diesem Weg, nämlich des Transits über russisches Gebiet, mit offizieller Genehmigung durch ein Ministerium im fernen Moskau ging es also nicht.

Ich brauchte – ganz einfach den richtigen mongolischen Partner, der wiederum den richtigen Partner jenseits der Grenze hatte, der jemanden kannte, der…. Aber so genau will ich das gar nicht wissen und Sie sollen es auch nicht so genau wissen.

Diesen Partner hatte ich in Nomt Yunger gefunden. Yunger ist Tierarzt, ist Leiter der Veterinärbehörde im Aimak  Uvs, 1100 km westlich von Ulaanbaatar. Und dieser Provinz Uvs liegt Russland und Kasachstan benachbart. Sie verstehen? Der alte Yunger ist zudem ein wichtiger darga, ein Leiter, der  seine Viehzüchter kennt und über Beziehungen verfügt. Ihn kannte ich seit einem früheren Ritt durch die steinige Einöde des Beckens der großen Seen.

Yunger bereitete alles vor: er besorgte eine Ausfuhr-Erlaubnis, er wählte aus der Herde eines Maltschin acht gute Pferde aus – die aber von tuvinischen Pferdedieben geholt worden waren, bevor ich selbst in Uvs eintraf -, er  untersuchte die Pferde auf klinische Symptome und legte Listen an. Eine schwere Arbeit, sie bedeutete elendlange Fahrten über glühend-heißen Sand und holprige Wege durch die Gebirge.

 

 

II. Kontakte

Dann kam ich selbst nach Uvs, am 2. Juni landete ich in Ulaangom, der Provinzhauptstadt. Gleich am nächsten Tag wollte Yunger zur Grenze fahren, um mit dem Partner jenseits der Grenze zu sprechen. Aber er habe doch mit diesem Beamten schon geredet und alles klar gemacht? Na ja, nicht so ganz, ein Bekannter habe ihm, Yunger, mitgeteilt, der Beamte jenseits der Grenze mache mit, sei einverstanden.

 

Die Heimat meiner Pferde

 

Yunger setzte mich am nächsten Tag am Uvs Nuur ab und fuhr weiter zur Genze. Ich wartete, schwamm im See, photographierte alle, die photographiert werden wollten, alles Leute, die mich seit jenem Ritt im Jahr 2001 kannten, und wartete. Zwei Tage später kam Yunger zurück und klagte, sein Jeep müsse in Reparatur, die Achse, der Auspuff, die Lenkung. Ja, und er habe von dem Beamten jenseits der Grenze eine positive Antwort. Ob er ihn getroffen habe? Nicht so direkt, aber er habe einen Mann zu ihm geschickt. Der habe mit ihm geredet.
Am Tag darauf sollte ich mir also die acht Pferde anschauen, die Yunger ausgewählt hatte. Wir fanden den Viehzüchter, einen alten Mann mit Händen so knurrig wie Rebstöcke, die Pferde aber waren weg, ganz einfach weg, gestohlen von Tuwinern. Nun ja, nicht alle natürlich, immerhin 22 von 88 und unter ihnen auch einige von „meinen“. Das war nicht mein Problem, es bedeutete eben nur, dass wir noch einmal Pferde auswählen mussten, dass Yunger noch einmal Pferde untersuchen und darüber Listen anlegen musste. Und – sagte Yunger – in meinem Hotel in Ulangom wohne gerade jetzt ein deutscher Tierarzt und der Leiter des Veterinärlabors in Ulaanbaatar, die könnten bestätigen, dass es mit seinen, Yungers, Gesundheitszeugnissen seine Richtigkeit habe.

 

Auch dieses Pferd wurde mir angeboten


Am Abend sprach ich Dr. K. auf mein Projekt an. Oh Gott, nein, das solle ich bleiben lassen. Eine klinische Untersuchung bringe gar nichts. Nur ein serologischer Test bringe an den Tag, wie es mit Beschälseuche, Rotz und Infektiöser Anämie stehe. – Aus der Traum. In Ulangom hatte man keine Ahnung von serologischen Tests. – Na ja, meinte Dr. K., in M. gebe es das Referenzlabor für Beschälseuche, er kenne auch den Prof. Z., ich könne mich doch mit ihm in Verbindung setzen, vielleicht übernehme er die Untersuchung, vielleicht auch den Test auf Anämie und Rotz. Ich könne auch mit Dr. Sodnomdarja reden, mit dem Leiter des Zentralen mongolischen Veterinärlabors, vielleicht setze er sich auch für mein Projekt ein. Es folgten:
eMails an Prof. Z. in M., Faxe an den Kontaktmann in Russland: es gibt Verzögerungen, und – ein Gespräch mit Dr. Sodnomdarja: natürlich, er sei nicht gegen einen Export mongolischer Pferde, es müsse nur alles seine Richtigkeit haben und – in seinem Labor könne man die Blutproben für den Transport nach M. bearbeiten. – Na also!
Bei anderer Gelegenheit habe ich schon von Tumenbaryaryn Batsukh erzählt, dem Herrn über 150 Pferde, oder mongolisch ausgedrückt, über fünf Hengste mit ihren jeweiligen Stuten, Wallachen und Fohlen. Aus seiner Herde sollte ich 15 Pferde auswählen. Yunger hatte eingesehen, dass es nicht so ging, wie er es sich vorgestellt hatte: den Pferden ins M aul und in die Augen schauen und ab damit über die Grenze. Man musste es verstehen: ein altgedienter Tierarzt wusste einfach, ob ein Pferd gesund oder krank war. Aber er ließ sich wohl oder übel darauf ein, dass man von 15 Pferden Blut nehmen musste, damit man vielleicht 8 einwandfreie bekam.
 

 

III. Die Auswahl

 

Batsukh ließ seine 150 Pferde zusammentreiben und meinte, ich solle mir 15 auswählen, ganz einfach so. Ein junger Kerl ritt mit mir um die Herde, umkreiste mit mir die einzelnen „Familien“, die von den Hengsten zusammengehalten wurden. Ihn fragte ich und deutete dabei auf ein Pferd, das mir aufgefallen war – wobei mir zu Hause die  Mahnung mit auf den Weg gegeben worden war: Sie müssen vor allem einen schönen Kopf haben – also ich fragte den Burschen: Kheden nastai? Wie alt? Antwort: Dorvon nastai guu. Oder : Doloonastai mor Also: eine vierjährige Stute bzw. ein siebenähriger Wallach. Dann ich: Bolokh uu? Kann ich die haben? Und er: Bolno oder bolokhgui. Ja bzw. nein.

 

Bei der Auswahl der Pferde

 

Die Pferde waren allesamt noch klapperdürr, aber  ich sah, wie die Beine standen, schaute mir den Rücken an, natürlich den Kopf, Vorderhand, Hinterhand. Ich denke, ich habe gut gewählt und durfte mir etwas einbilden, als mein Begleiter zu Batsukh sagte, manchmal habe er gehofft, ich würde dieses und jenes Pferd übersehen, weil sie es gern behalten würden und genau dieses Pferd hätte ich ausgewählt. – Die jungen Männer  die Pferde schneller zusammen, als ich sie ausgesucht hatte. Lassoschwingend preschten sie hinter ihnen drein, Staub stob auf, Hengste wieherten und drängten Rivalen ab, die sich in dem Durcheinander an ihre Gruppe heranmachten. Da sah man, was ein gutes Uurga-Pferd ausmachte. Die Uurga ist eigentlich die Fangstange. Aber hier in Uvs verwendete man das Lasso. Ein Uurga-Pferd beschleunigt wahnsinnig schnell, es folgt den Richtungswechseln des gejagten Pferdes und der Reiter kann ihm die Zügel auch im Galopp auf den Hals legen, wenn er das Lasso mit beiden Händen halten und sich dabei in die Steigbügel stemmen muss, um das gefangene Pferd abzubremsen. Schnell springt der Reiter ab und haut die Hacken in den Schotter, bis das Pferd zitternd steht.

Man führte mir alle Pferde, die ich ausgewählt hatte, vor, ich photographierte sie und Yunger vermaß sie und legte wieder eine Liste an. Das war harte Arbeit, wenigstens für die jungen Männer, die die Pferde eingefangen hatten.

In einem Ger, auf russisch Jurte, ist es erstaunlich kühl, in einer baumlosen, dürren Ebene, auf die die Sonne von einem erbarmungslos blauen Himmel herunterbrennt,  weiss man das zu schätzen, wenn man im Kreis der Männer bei gesalzenem Tee mit Milch und der üblichen Fleisch-Nudel-Suppe hockt.

 

Ein Gebet um gutes Gelingen konnte nicht schaden

 

IV. Verhandeln

 

Ich hatte  Yunger beiseite genommen und  mich mit ihm auf Russisch leise darüber verständigt, was ich für die einzelnen Tiere bieten sollte. Was denn die Stuten kosten würden, fragte ich Batsukh. Neg guu khoyor zun myanga, also 200 000 Tukrig. Nun, das ging. Und die Wallache? 500 000 Tukrig. Wallache sind Reitpferde, also wertvoller, so denkt man in der Mongolei.

Ich hatte Yunger immer wieder erklärt, Geld gebe es erst, wenn die Pferde jenseits der Grenze und noch dazu auf den Lastwagen verladen seien. Er widersprach mir nicht. Der Fall schien also klar. Ich würde also meinen russischen Kontaktmann an die Grenze schicken, sobald die Antwort von Prof. Z. eintraf,  Blutproben genommen und nach M. geschickt wurden und ein negatives Ergebnis   vorlag. Aber schon Prof. Z.’s Antwort ließ auf sich warten. Schließlich rief ich selbst an: Ja, er könne mir mitteilen, sein Institut nehme den Auftrag an. Er lasse Dr. K. grüßen. Wieder einen Schritt weiter. Jetzt also die Blutproben, dafür war Yungers junger Kollege zuständig. Ich selbst nahm die Seren mit nach Ulaanbaatar, ließ sie in Sodnomdarjas Labor bringen. Yungers Tochter  flog damit nach M. und übergab die Thermoskanne mit den Seren Prof. Z..

 

Die Blutproben werden genommen (links) und verpackt (rechts).

 

V. Warten 

 

Ich selbst konnte nichts mehr tun, der Urlaub war vorbei. Warten und Woche für Woche im Institut bei Prof. Z. anrufen, wie weit er denn mit der Analyse sei. Dass sich keine Antikörper gefunden hätten, die auf Beschälseuche hindeuteten, das konnte er mir immerhin bald sagen. Aber die Spezialisten für Rotz und Infektiöse Anämie seien in Urlaub.Die Wochen vergingen.

Dann ließ Yunger mitteilen,  Batsukh rücke die Pferde nur heraus, wenn sie bei ihm, in seinem Ger bezahlt würden, wenn sie erst im Ausland seien, seien sie für ihn verloren. Was sollte aber ich tun, wenn es nicht gelänge, die Pferde dort an der Grenze abzuholen und nach Westen zu transportieren.

 

Und immer noch warten

 

Dann aus M. die Nachricht: die Pferde seien in Ordnung, nichts da mit Beschälseuche, Rotz und Infektiöser Anämie. Was also tun? Sollte ich mich auf Batsukhs Forderung einlassen oder das Projekt ein für alle Mal abschreiben? Ein verdammtes Spiel. Gut, sagte ich, ich schicke das Geld, aber den Lastwagen schicke ich erst an die Grenze, wenn die Pferde jenseits der Grenze sind. Aus Ulangom, Ulaanbaatar, von der Grenze kamen widersprüchliche Mitteilungen: die Pferde seien schon unterwegs zur Grenze, sie müssten in drei Tagen dort eintreffen, nein, sie würden erst am nächsten Tag aufbrechen, sie seien durch Hochwasser führende Flüsse aufgehalten worden, Togtokh, einer der Treiber habe  Alexey Terentevitch an der Grenze getroffen und erfahren, jener  habe kein Geld dabei. Die Pferde würden zurückgetrieben werden. Nun ein aufgeregtes eMail meinerseits an Alexeys Tochter und Anruf Larissas bei ihrem Vater: warum er denn behaupte, er habe kein Geld dabei. – Ich konnte es mir denken: er befürchtete, er bekommt eines über den Schädel und das Geld ist weg.

 

Warten an der Grenze

 

Und weiterhin warten

 

Dann eine Mitteilung aus Uvs auf dem Umweg über Ulaanbaatar: die Treiber würden die Pferde erst über die Grenze bringen, wenn der Lastwagen bereitstehe.- Sollte ich mich also auch darauf einlassen und den Lastwagen aus dem Westen losschicken? Nun kam es schon gar nicht mehr darauf an. Also, Anruf im Westen: der Lastwagen soll sich auf den Weg machen. Anruf von der Grenze: die Treiber wollten mehr Geld. Sie müssten bei Regen die Pferde bewachen. Anruf aus Ulaanbaatar: Alexey sei verschwunden, die Pferde würden zurückgetrieben werden. Und die Treiber möchten noch mehr Geld. Meinerseits eMails und Anrufe: jeder bleibt auf seinem Posten. Geld bewilligt. Alexey hatte sich nur  vor dem kalten Regen ins Hotel geflüchtet.  – Und dann endlich der erlösende Anruf: Die Pferde sind auf dem Lastwagen, alle Genehmigungen vorhanden, Untersuchung erledigt.

Alexey hatte mit dem Direktor einer westlich des Ural gelegenen  Kolchose vereinbart, dass meine Pferde dort die vorgeschriebene Quarantäne absolvieren könnten. Dort konnten sie sich  von der tagelangen Fahrt durch die Weiten Kasachstans erholen, dort wurden sie herausgefuttert und wieder untersucht und getestet und geimpft und  – mit ordentlichen, EU-tauglichen Dokumenten versehen.

Jetzt stand der letzten Reise nichts mehr im Weg. Jetzt ging alles seinen Gang. Für die Grenzspedition waren meine Pferde nur irgendwelche Pferde, einige wenige von den vielen, die sie Jahr für Jahr abfertigten.

Und während Sie das lesen, weiden sie in aller Ruhe auf den Hängen der Schwäbischen Alb. Wenn es erst – 25° C hat, werden sie sich ganz wie zu Hause vorkommen.

 

November 2003

Mittlerweile sind sie da und nun weiden die  acht mongolischen Ponys auf  der Schwäbischen Alb auf einer grünen Koppel, während  in der Mongolei ein schneidend kalter Wind über die Steppen jagt.

 

April 2004

Mittlerweile haben sie einen langen Winter überstanden, als einzige Mongolenpferde ohne abzunehmen. Sie haben sich mit meinen Highland Ponies zusammengerauft und erleben nun das erste mitteleuropäische  Frühjahr

 

September 2004

Das erste Jahr in Deutschland haben die „Mongolen“ fast hinter sich. Sie sind gesund, haben weder an Hufrehe gelitten, noch haben sie ein Ekzem entwickelt. Zugegeben, die Möglichkeit, dass sie das eine oder das andere bekommen würden, konnte man nicht vollkommen ausschließen. Denn auf einer europäischen Weide finden sie Futter im Überfluss, da mag man noch so vorsichtig sein. Zum Glück aber sind sie nicht so empfindlich, also im besten Sinne robust. Auch die Nässe, die das europäische Klima kennzeichnet, haben sie bewältigt und nicht nur das: sie sind ausgesprochen gesund und munter und haben sich gut eingelebt. Natürlich musste man ihnen Zeit geben und viel Geduld aufbringen, vor allem mit den Hengsten. Deren Vertrauen musste in geduldiger Arbeit errungen werden. Aber jetzt sind sie zuverlässige, ruhige Reitpferde, deren Schnelligkeit und raumgreifende Bewegungen begeistern. 

 

 

Hier nun einige Bilder unserer Mongolen vom Sommer 2004 (aufgenommen von Stuewer-Tierfoto).

 

Naidal, eine zutrauliche durchsetzungsfähige Stute.
Rechts: In diesem Galopp fegte sie über die Steppe.

 

Azaa, die Freundliche und Verlässliche.
Rechts: Ebenso elegant töltet sie.

 

Narangerel, ein aufmerksamer, verlässlicher und ruhiger Hengst.
Rechts: Narangerel im raumgreifenden Galopp

 

 

Adzraga shinjikh - Die Auswahl eines Hengsts                  - zurück zum Seitenanfang -

Die Mongolen haben für den Auswahl des Hengstes eine ganze Philosophie entwickelt.

Zunächst wird auf die Abstammung des Hengstes geachtet, dann schaut man sich den Körperbau an und prüft die Eignung für zum Reiten und für das Pferderennen und untersucht die Zeugungsfähigkeit.

In einem alten weisen Buch heißt es: „... der Vater und die Mutter sind wichtig. Von einem guten Vater und von einer guten Mutter muss der Hengst stammen. Den Vater kann man mit dem Material, woraus man eine Sache angefertigt, vergleichen, bei einer Silberschale ist es das Silber. Die Mutter ist mit dem Boden zu vergleichen. Aus einem schlechten Boden bekommen wir keine gute Ernte. Wenn der Vater und die Mutter schlecht sind, kann man keine gute Nachwuchs erwarten.“

Der Hengst prägt die ganze Herde. Die Eigenschaften eines guten Hengstes sind: ein trockener Kopf, eine breite Stirn, lange Ohren, breite Nüstern, dicke Augenlider und lange Wimpern. Die Brust muss breit sein, die Schultern hoch, die Rippen gut gebogen, der Rücken gerade, das Kreuz etwas rund, die Hüfte breit. Die Füße müssen gerade stehen, auf runden, scharfkantigen Hufen. Erwartet werden geradlinige Sprunggelenksehnen und senkrechte Fesseln. Der Bauch eines Hengsts ist groß und tonnenförmig.

In einem anderen alten Buch über die Eigenschaften des Pferdes steht: „... der beste Hengst hat große Augenbrauen und an seinem Augenlid wachsen 56 Haaren, der Hals ist breit und lang und sein Knie ist, der Abdruck der Vorderhufe ist groß.

Er soll an der Mähne, am Hals und an der Stirn Wirbel haben. Die Mähne sollen in der Mitte gespalten sein und sowohl nach rechts als auch nach links fallen. Außerdem soll ein guter Hengst einen großen Bauch und Wirbeln an den beiden Achseln haben. Die Augen müssen denen der Schweine ähneln. Ein guter Hengst soll einen Wirbel am Hals des Penis haben. Der hintere Teil soll rund sein. Ein guter Hengst wiehert laut. Seine Hinterhand soll etwas mager sein. Der ganze Körper ist rund.

Er macht große Schritte. Auf kurzen Strecken ist er schnell und schwer zu lenken. Ein guter Hengst soll allseitig gut entwickelt sein und hat schwere, starke und lockige Schweifhaare. In seinem höheren Alter zeugt er guten Nachwuchs. Der ganze Körperbau soll rechteckig sein. Außerdem soll er am Hals viele Wirbel haben. Man soll seinen Hengst nicht oft wechseln, sonst wird man seine Herde ruinieren

 

 

 

Die Stute                                                                                                                - zurück zum Seitenanfang -

Um eine gute Stute handelt es sich in den Augen der Mongolen, wenn die Beine gerade unter dem großen, runden Bauch stehen. Sie sollte einen hohen Widerrist und ein breites Becken haben. Die Backen sollten nach innen gewölbt sein, die Unterlippe etwas länger als die Oberlippe.
Am Ende des Herbstmonats, bevor es kalt wird, werden die Stuten freigestellt. Für diese Zeremonie wird ein guter Tag ausgewählt. Am festgesetzten Tag werden die Pferde aufgeteilt und mit Wacholder-Weihrauch geweiht. Die Stuten werden noch einmal gemolken, dann werden die Fohlen freigelassen. Bisher waren sie tagsüber an einer ledernen Leine angebunden. Jetzt werden die Pfähle, an denen die Leine befestigt war, herausgenommen und in die Löcher werden Weizenkörner gestreut. So wie sich der Weizen vermehrt, so soll sich auch das Vieh vermehren. Anschließend veranstaltet die Familie zum Ende der guten Zeit ein großes Fest.

Wenn die Zugvögel zurückkommen und die ersten Jungtiere geboren werden und die Bäume ausschlagen, findet die Vogelzeremonie statt. Man wählt dazu einen guten Tag aus und bereitet ein festliches Essen vor. Die Nachbarn werden eingeladen und in Anwesenheit aller liest man aus der „Schrift über die Vogelzeremonie“ vor. Der Rauch von schwelendem Wacholder-Mehl weiht Tiere und Menschen. Die Hausfrau geht vor den Ger und schwenkt den Zeremonieneimer, um auszudrücken, wie reich sie an Tieren ist. Danach widmet man sich dem Essen und Trinken.

Die erste Rosse setzt 5 bis 13 Tage nach dem Fohlen ein. Wenn die Stute in der Fohlenrosse nicht aufgenommen hat, folgt die zweite Rosse nach 5 bis 7 Tagen. Die Stuten können von April bis August gedeckt werden, meistens aber zwischen Mai und Ende August.

Die Mongolen feiern auch den Tag, an dem zum ersten Mal die Fohlen angebunden und die Stuten gemolken werden. Auch dazu werden die Nachbarn eingeladen. Der Familienvater hat am vorangegangenen Tag zwei Pfähle eingeschlagen. Den einen Pfahl setzt er in die ihm günstig erscheinende Richtung, der andere bedeutet Reichtum. Die Pferde hat er am Abend bei seinem Ger zusammengetrieben. Bei Sonnenaufgang geht er mit Weihrauch um seine Herde. Bevor er die Fohlen anbindet, stellt er bei dem geflochtenen Strick einen Tisch auf, auf dem gekochtes Schaffleisch ausgebreitet wird. Bevor sich die Familie und die Gäste dem Essen und Trinken zuwendet, wird Airag, Schnaps und Milch geopfert.
 

 

 

Der Sattel (emeel)                                                                         - zurück zum Seitenanfang -
 

Nachdem es den mongolischen Nomaden gelungen war, Pferde zu domestizieren, begannen die Versuche, ein Sattelzeug zu bauen. Selbstverständlich hat man zuerst für eine gewisse Zeit das Pferd ohne Sattel geritten. Dann hat man eine Unterlage verwendet, die man den Ursattel oder den ältesten Sattel nennen darf. Unter den mongolischen Sätteln unterscheidet man je nach der Anfertigungsweise folgende Typen: den „Bordshgin“, den „Sambuu“ und den „Darkhad“, den „Buriad“ und den „Darigang“, den „Udsemtschin“ und „Oird“ und schließlich den „Kasachensattel“. Die khalkhmongolische Sattelform „Bordshigin“ am weitesten verbreitet.

Nach dem Verwendungszweck unterscheidet man zwischen Erwachsenen-, Kinder-, Rennpferd- und Armeesätteln.

Ein kalkhmongolischer Sattel besteht aus einem Sitzholz, der Vor- und der Hinterlehne, zwei Seitenstützen aus Holz, einem Sitzpolster, zwei Bogen (Vor- und Hinterbogen) aus Holz, zwei Lehnschutzbändern aus oder Silber Neusilber, vier Sitzpolsterfestigungen auch aus Neusilber oder Silber, zwei Seitenschürzen aus Leder mit Verzierungen, zwei Steigbügelträgerdecken aus Leder ebenfalls mit Verzierungen, acht Satteltaschenbändern aus Leder, Sattelriemen mit Schnallen, Sattelriemen ohne Schnallen, Lederbändern für die Sattelriemen, einem Filzpolster, dem Stoffbezug des Sitzpolsters, aus den Sattelpolsterbefestigungen aus verziertem Neusilber oder Silber, den Befestigungen für Satteltaschenbänder, zwei Steigbügelriemen, zwei Steigbügeln und aus zwei Satteldecken. Natürlich sieht der Sattel von Aimak zu Aimak etwas anders aus.

Die mongolischen Bezeichnungen der Teile eines Sattels:


urd büüreg – Vordersitzlehne aus Holz,
hyar – Lehnenschutzbänder aus verziertem Neusilber, meisten sogar aus Silber oder aus Hirschabwurfstangen,
olomzog – Sitzpolster aus Filz mit einem Stoffbezug,
daruulga - Sattelpolsterfestigungen aus verziertem Neusilber oder aus Silber,
hoid buuureg – Hintersitzlehne aus Holz,
baawar – Seitenholzschmuck, Seitenstützen aus Holz,
tohom – Satteldecke,
ganzaga – Satteltaschenbänder aus Leder,
dshirem – Sattelriemen ohne Schnallen,
olom – Sattelgürtel mit Schnallen,
döröö – Steigbügel,
döröönii sur – Trägerleder für die Steigbügel,
gölöm – Seitenschürzen aus hartem Leder mit kunstvollen Applikationen,

dews – Steigbügelträgerdecken aus hartem Leder mit kunstvollen Applikationen,
 

 

 

Der Airag                                                                                                                - zurück zum Seitenanfang -
 

Seit Tausenden von Jahren werden in der Mongolei die Stuten gemolken und aus ihrer Milch Airag hergestellt, der zur alltäglichen Ernährung gehört und auch bei festlichen Anlässen getrunken wird. Der Airag ist etwas so typisch Mongolisches, dass sich der mongolische Begriff für vergorene Stutenmilch gegen das russische „Kumys“ durchsetzen sollte.
Für die Herstellung von Airag eignet sich gerade die Stutenmilch ganz besonders, denn sie hat im Vergleich zur Milch von Kühen, Schafen oder Ziegen einen wesentlich höheren Milchzuckeranteil als Voraussetzung für den Oxydationsprozess. Eine weitere Besonderheit ist ihr hoher Lactalbumin-Anteil. In der Stutenmilch haben die Eiweiß-Moleküle die Form kleiner Kugeln, damit hängt es zusammen, dass sie mit der Zunahme des pH-Wertes nicht gerinnt.
Die Gärung erfolgt unter dem Einfluss von Hefe-Enzymen, Milchsäurebazillen und Milchsäure-streptokokken. Dadurch entsteht ein alkoholhaltiges, säuerliches Getränk, das Kohlensäure, Vitamine, Aminosäuren, Kasein, Eiweiß, Mineralien und gesättigte und ungesättigte Fettsäuren enthält.
Die wissenschaftliche Untersuchung der Mikroorganismen, die bei der traditionellen Airagherstellung in der Mongolei beteiligt sind, hat 1962 begonnen. Sie hat ergeben, dass es sich um die Mikroorganismen Sacchormyces lactis, Sacchormyces cartilagino, Lactobacterium bulgaricum und Streptococcus lactis handelt.
Die heilende Wirkung des Airag ist sowohl auf diese Mikroorganismen als auch auf die biochemische Zusammensetzung der Rohmilch zurückzuführen.
Die mongolischen Viehzüchter verwenden für die Herstellung und Aufbewahrung des Airag seit undenklichen Zeiten besondere Behälter:

1. den Höhuur : ein aus der Haut eines Rindes genähtes Fass mit einem Volumen von 60 – 100 Liter,

2. den Tulam : einen aus Ziegenleder genähten Beutel, der etwa 10 – 15 Liter fasst,

3. den Borvi: einen Beutel mit einem Volumen von 25 – 30 Liter, der aus dem Leder vom Rücken eines Rindes hergestellt wird,

4. den Dashmag : ein Stück Leder aus der Haut vom Bein eines Kamels,

5. den Gan : ein aus Lärchenholz bestehendes Fass mit einem Volumen von 40 – 50 und 100 –
150 Liter,

6. den Buluur : einen hölzernen Stampfer, mit dem man den Gärungsprozess anregen kann, zudem werden Eiweiß, Vitamine und Fett durch das Stampfen gleichmäßig verteilt.

Der Geschmack des Airag hängt einerseits von den Weiden, andererseits aber auch davon ab, wie die einzelne Familie den Airag herstellt. Wenn die Fohlen gut genährt sind, fängt man sie gegen Ende Juni, um sie tagsüber anzubinden. Bis Oktober werden die Stuten täglich alle zwei bis drei Stunden gemolken. Am Abend milkt man die Stuten ein letztes Mal und lässt sie dann mit ihren Fohlen über Nacht weiden.
Die Stutenmilch, die tagsüber abgemolken wurde, stellt man in einen kühlen Winkel des Ger und schüttet sie am Abend durch ein Stoffsieb in den Ledersack. Jedes Familienmitglied, das den Ger betritt, sollte die Milch einige Male stampfen, insgesamt 2000 bis 3000 Mal.
In den Kreisen Mogod und Saikhan des Aimak Bulgan, in den Kreisen Hotont und Khairkhan von Arkhangai, im Kreis Erdenedalai von Dundgobi und schließlich in den Kreisen Bayan-Onjuul und Bayan des Tov-Aimak gibt es, so sagt man, den besten Airag.